Vermisst!

Aufgrund meiner Tätigkeit suche ich öfters nach vermissten Katzen und fühle mit den jeweiligen Haltern der Tiere. 

Als ich nachhause komme und Ginger nicht antreffe, bin ich aber keineswegs beunruhigt. Vielleicht ist sie bei meinen Eltern (könnte ja sein, dass es etwas zu fressen gibt ;-). Dort treffe ich sie aber später nicht an. Jetzt fange ich an zu überlegen, wo sie sein könnte. Also vors Haus und rufen und hinters Haus und rufen. Ich bin ja so froh habe ich bei der Namensgebung einen ausgewählt, den man mit gutem Gewissen 24 Stunden lang durch die Gegend brüllen kann. Bekannt von mir haben zwei Katzen, «Znüni» und «Zvieri» (bitte, fragt nicht). Ich täte mich auch schwer, lauthals «Amadeus» durch die Gegend zu schreien, ich bin ja nicht Falco. So oder so, die ganze Ruferei ist umsonst – Ginger bleibt verschwunden. Schon etwas mulmig zumute, erledige ich noch das eine oder andere und schaue zwischendurch immer mal ins Treppenhaus – manchmal überlistet sie die Nachbarn, sie reinzulassen, weil sie zu faul ist, um ums Haus zu laufen und die reguläre Katzenklappe zu benutzen. Um kurz nach 23 Uhr stürze ich mich, in Jacke und Pyjama in Nebel und Dunkelheit, um Ginger zu suchen. Leise aber bestimmt rufe ich den Namen meines kleinen Rötelis. Plötzlich höre ich es, ihr feines Stimmli. Aber nicht draussen, sondern drinnen. Also wieder ab ins Treppenhaus – Gott sei Dank – dort ist es wärmer und es hat definitiv weniger Nebel. Ab in die Tiefe – aha – aus dem geschlossenen Hauswartskeller kommt ihr klägliches Miauen. Als ich die Tür öffne fegt sie wie ein geölter Blitz die Treppen hoch, nicht ohne mich vorher vorwurfsvoll anzuschauen. Auf dem ersten Absatz knallt sie, der Geschwindigkeit wegen auf die Seite, rappelt sich auf, richtet die Krone und schaut um die Ecke, ob ich denn endlich nachkomme. Schuldbewusst schlurfe ich hinter ihr her in die Küche. Ich hab es ja nicht eingeschlossen, das neugierige Beeri. Ich gebe ihr was zu futtern und setze mich neben sie. Nachdem ersten Bissen kommt sie zu mir hin und reibt ihr Köpfchen an meinen Beinen, bevor sie wieder zu ihrem Mitternachtsmahl zurückgeht. Ihre Erleichterung erfüllt nicht nur die ganze Küche sondern auch mein Herz.

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